Jahresgespräche – gestern | heute | morgen

Jahresgespräche gehören in der Führung bereits zu den Urgesteinen. Inhaltlich immer weiterentwickelt: Manchmal mit einer Checkliste, manchmal mit einem Bewertungsbogen, manchmal als offener Dialog, manchmal erfolgreich und manchmal eher weniger.

Warum werden Jahresgespräche von Führungskräften so selten und überwiegend auch ungern geführt?

  • Sie sind zeitaufwendig. Eine gute inhaltliche Vorbereitung, ungestörter Zeitpuffer für die Durchführung, die schriftliche Nachbereitung sowie das unterjährige Nachverfolgen der getroffenen Vereinbarungen brauchen sehr viel Zeit.
  • Sie erfordern Mut. Jemandem ein ehrliches Feedback zu seiner Leistung zu geben erfordert Ehrlichkeit und Konfliktbereitschaft. Zu denken mein Mitarbeiter arbeite nur mittelmäßig ist eine Sache – den Mut haben es auszusprechen ist eine ganz andere.
  • Sie sind überflüssig. Schließlich sprechen Führungskraft und Mitarbeiter doch den ganzen Tag miteinander, wozu dann noch ein zusätzliches Gespräch?
  • Sie führen zu Überheblichkeit. Mitarbeiter, die bestätigt werden, dass sie ihre Arbeit gut oder besonders gut machen, erwarten danach eine Gehaltserhöhung. Manche Führungskräfte lassen daher das Gespräch und auch generelles Lob besser weg, um keine Erwartungen zu schüren.
  • Mitarbeiter wollen sie nicht. An sich logisch – wenn eine Führungskraft schon von den oberen 4 Eigenschaften von Jahresgesprächen überzeugt ist, dann führt sie diese inhaltlich auch entsprechend. Unvorbereitet, kurz ab, einseitig. Das braucht ein Mitarbeiter wirklich nicht.

Sind Jahresgespräche wirklich noch zeitgemäß?

Wertschätzung und Anerkennung haben heute einen viel höheren Stellenwert als früher. Früher gingen Menschen arbeiten, um Geld zu verdienen. Welche Arbeit genau sie dabei verrichteten stand nicht im Vordergrund, denn es gab wenig Alternativen. Heute gehen Menschen arbeiten, um sich persönlich zu entwickeln. Arbeit muss die Bedingung erfüllen Spaß zu machen. Heute gibt es zig Menschen, die einen zweiten Bildungsweg einschlagen, weil sie der erste nicht glücklich gemacht hat. Heute steht der Mensch im Fokus und der Mensch möchte wissen was er gut macht, wie zufrieden sein Chef mit ihm ist und welche Möglichkeiten in Zukunft für ihn parat stehen. Ein derartiges Gespräch findet nicht zwischen Tür und Angel statt und schon gar nicht unvorbereitet.

Würde das Thema Führung in Unternehmen so richtig ernst genommen werden, wie es tatsächlich notwendig ist, würden Führungskraft und Mitarbeiter regelmäßig im detaillierten Austausch stehen. Regelmäßig heißt mindestens monatlich. So wüsste der Mitarbeiter jeden Monat wo er steht, ob er seine gesetzten Ziele erreicht hat, was er verändern muss und wo Konfliktpotenzial besteht. Die Erfolgsrate bei der Zielerreichung wäre dadurch um ein Vielfaches höher, da monatlich Justierungen besprochen würden und der Zielkurs immer wieder angepasst und neu angesteuert werden könnte. Jahresgespräche wären dann nicht mehr nötig, denn es gäbe Monatsbesprechungen – zeitlich kürzer, schneller auf den Punkt, weniger Diskussion und absolut effizient.

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Im Tagesgeschäft passiert genau das aus Zeitmangel jedoch nicht. Viele Führungskräfte sind operativ so stark im Tagesgeschäft eingebunden, dass Führung häufig nur Nebensache ist. Die Führungsspanne ist in der Praxis sehr unterschiedlich, sodass von 1 bis 30 Mitarbeiter alles vertreten ist. Daher stellt das Jahresgespräch in diesen Fällen das absolute Minimum dar. Dieses jährliche „Revisions -und Feedbackgespräch“ nicht zu führen ist wirklich ein fataler Fehler.

Wie sieht ein gutes Jahresgespräch aus?

Vor drei Jahren habe ich den ersten Workshop zum Thema Jahresgespräche durchgeführt. Der Erfahrungswert war seitdem immer der gleiche: Führungskräfte sind sich der Wichtigkeit nicht bewusst und messen dem Gespräch wenig bis keine Relevanz bei. Sie kennen die eigenen Vorteile eines derartigen Gespräches nicht und sehen es daher eher als Belastung an. Mitarbeiter sind an derartige Gespräche nicht gewöhnt und kennen den Sinn und Zweck somit auch nicht. Auf diese Weise gehen bei der Einführung von Jahresgesprächen zwei Parteien ins Rennen, die noch keinen Mehrwert in dieser zeitaufwendigen Veranstaltung sehen. Glauben Sie mir, dass ist nur im ersten Durchlauf so. Richtig durchgeführt freuen sich ihre Mitarbeiter auf das jährliche Gespräch und fordern dieses auch aktiv ein.

Wenn Sie nicht wissen, wie Sie qualitativ hochwertige Jahresgespräche bei sich im Unternehmen etablieren oder eine Auffrischung benötigen, rufen Sie mich gerne an und vereinbaren einen Termin!

Viel Erfolg beim Umsetzen!

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