Ich bin OK – du bist OK, oder etwa nicht?

Mit welcher Haltung führe ich meine Mitarbeiter? Wie stehe ich zu mir selbst und was traue ich meinen Mitarbeitern zu? Die persönliche innere Haltung einer Führungskraft ist maßgebend für die Qualität und Effektivität ihrer Führung.

Transaktionsanalyse nach Eric Berne

Eine psychoanalytische Sicht auf unsere Kommunikationsebenen gibt Aufschluss darüber, aus welcher Haltung wir denken, sprechen und handeln. In diesem Ausschnitt schauen wir uns 4 Haltungsebenen an:

Ich bin ok – du bist ok

Ich bin ok – du bist NICHT ok

Ich bin NICHT ok – du bist ok

Ich bin NICHT ok – du bist NICHT ok

Der Überzeugung zu folgen, dass ich persönlich in Ordnung bin und auch mein Gegenüber grundsätzlich ok ist, versetzt uns automatisch auf Augenhöhe miteinander. Führungskräfte handeln in dieser starken Grundhaltung maximal lösungsorientiert und setzen Vertrauen in ihr Team.

“Ich bin ok – du bist nicht ok” ist eine von den zwei häufigsten Denkweisen und macht auch nicht vor Führungskräften halt. Vielleicht erfolgt die Haltung aufgrund von Aussagen oder Handlungen der anderen Person. Manchmal reicht auch schon die reine Optik eines Menschen, um gedanklich in die Überordnung zu gehen. Aus dieser Haltung fühle ich mich überlegen und besser als andere. Häufig wird nach einem Schuldigen gesucht, statt nach einer Lösung. Menschen sehen hier Veränderungsmöglichkeiten weniger bei sich selbst und suchen auch selten bei sich selbst nach einer Lösung. Daher wirkt die Haltung nach außen häufig arrogant.

Genau das Gegenteil findet in der dritten Haltungsebene statt: “Ich bin nicht ok – du bist ok.” Mit dieser Grundhaltung mache ich mich selbst kleiner als meinen Gegenüber. Ich habe geringes Selbstvertrauen und überlasse wichtige Aufgaben lieber anderen, die es besser können. Erfahrungen im Scheitern führen grds. zu meiner Überzeugung, dass ich es nicht kann. Daher werden Ursachen hier immer bei sich selbst gesucht und man erlebt sich häufig als unfähig und minderwertig. Menschen sind in dieser Haltung blockiert, starr und können oftmals gar nicht mehr selbstständig handeln.

In der vierten Haltungsebene sind wir alle nicht ok. In gewisser Art und Weise bewegen wir uns hier wieder auf Augenhöhe, die uns leider wenig bringt, weil beide Seiten in Verzweiflung verharren und machtlos sind. Glücklicherweise ist dies eine Haltung, die nicht sehr lange aufrecht erhalten werden kann.

Woher kommt meine Haltung?

Gedanken zur Über- und Unterordnung in den Haltungsebenen kommen unbewusst, da wir schon als Kind eine Haltung eingenommen haben und diese sich seitdem geprägt und verinnerlicht hat. Wurden Sie schon als Kind häufig gelobt und in Ihrem Tun bestärkt, denken Sie ganz automatisch: Ich bin ok. Im Erwachsenenalter müssen Sie somit nur noch die Hürde meistern, auf Augenhöhe zu bleiben und nicht in die Abwertung zu gehen. Dann gibt es Kinder, die ihren Eltern nie gut genug waren. Noten nicht gut genug, Talente nicht ausgeprägt genug und der Tenor, der sich unbewusst innerlich entwickelt hat: Ich bin nicht ok. Mit den Jahren musste hier wahrscheinlich stark am Thema Selbstwert gearbeitet werden, damit Zuversicht und Selbstvertrauen einen bewussten Platz im Leben finden.

Das heißt, dass jeder von uns, jeder Mitarbeiter und jede Führungskraft, eine innere Haltung hat, die sich mit den Jahren unbewusst gefestigt hat. Jetzt gilt es diese zu beobachten und zu überdenken, ob sie noch zeitgemäß ist und vor allem, ob sie mich in meinem täglichen Tun weiterbringt oder bremst.

Wie führe ich?

Von einer Führungskraft wird erwartet, dass sie ihre Mitarbeiter unterstützt und entwickelt. Dass sie das jeweilige Potenzial erkennen kann und die notwendigen Stellschrauben tätigt, damit der Mitarbeiter sein vorhandenes Potenzial auch entfaltet. Worin auch immer dieses Potenzial liegen mag. Trotzdem sind Führungskräfte häufig von der Leistung ihrer Mitarbeiter enttäuscht. Weil vielleicht nicht die gewünschte Qualität erbracht wurde, weil die Geschwindigkeit unzureichend war, weil die Prioritäten falsch gesetzt wurden. Und dadurch entsteht automatisch innerlich die Haltung: Du bist nicht ok. Mit dieser Haltung wird die Führung fortgesetzt – in der Regel in zwei Richtungen:

A. Dem Mitarbeiter werden gewissen Aufgaben gar nicht mehr übertragen, weil er diese ja bewiesenermaßen nicht kann. In diesem Moment findet hier auch kein Lernprozess mehr statt, sodass der Mitarbeiter dauerhaft auf seinem Lernniveau bleibt und stagniert.

B. Die Führungskraft übt mehr Druck auf den Mitarbeiter aus und bringt ihn in die Überforderung, sodass Aufgaben unverändert ausgesprochen werden und gepaart mit erhöhtem Druck dazu führen sollen, dass der Mitarbeiter es nach und nach von alleine lernt.

Gibt es Alternativen?

Mit der Grundhaltung “Ich bin ok – du bist ok” lege ich jedem Menschen eine positive Haltung zugrunde. Mein Mitarbeiter erledigt seine Aufgaben nicht zu meiner Zufriedenheit. Vielleicht habe ich den Auftrag unzureichend erklärt? Vielleicht fehlen dem Mitarbeiter Informationen, Arbeitsmittel, Hilfestellungen? Ich hinterfrage zunächst mich selbst und erfrage dann zusätzlich den Hintergrund beim Gegenüber und biete andere Wege zum Ziel an. Denn in der Haltung “du bist ok”, bin ich grundsätzlich der Auffassung, dass mein Mitarbeiter das schaffen kann.

Übungsaufgabe:

Die innere Haltung zu verändern ist ein sehr langes Unterfangen und es wird immer wieder Momente geben, in denen auch ein sehr gut reflektierter Mensch wieder in alte Muster verfällt. Ziel ist es, diese Momente zu bemerken, darüber nachzudenken wo diese Gedanken ihren Ursprung haben und anschließend selbst neue Gedanken zu formulieren. Immer und immer wieder.

Beobachten Sie Ihre Gedanken im Alltag. Was denken Sie über andere? In welchen Momenten treten diese Gedanken auf? Hinterfragen Sie konkret, ob Ihre Gedanken wahr sind! Sind Sie zum Beispiel wirklich der Schlauere von beiden, oder haben hier beide Personen ihr eigenes Fachgebiet?

Je öfter Sie diese Übung bewusst durchführen, desto öfter befinden Sie sich auf Augenhöhe mir Ihrem Umfeld. Dazu gehören nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern genauso Familie und Freunde.

Viel Erfolg beim Umsetzen und Üben!

Tipp:

Ein Coaching kann im Aufbrechen von Haltungen und Verhaltensmustern wahre Wunder bewirken! Sprechen Sie mich hierzu gerne an.

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